GIRLS UNDER GLASS

 

"Ein erfolgreiches Album, Tantra als Randthema, und was zum Mitwackeln.."

Die „Mädels“ von Girls Under Glass sind mit ihrem neuesten Werk „Zyklus“
in aller Munde, und das aus gutem Grund! „Zyklus“ ist ein Album, das richtig eingeschlagen ist, und die drei deutschen Musiker mit ausführlichen Berichten wieder in die Magazine brachte. Wave of Darkness hatte da auch noch ein paar Fragen, die uns Sänger Volker Zacharias ausführlich beantwortete...

Wave Of Darkness:
Erstmal ein großes Lob für „Zyklus“! Ein wirklich gut gelungenes Album! Kennt ihr schon die ersten Reaktionen Eurer Fans darauf?

Zaphor (Girls Under Glass):
Allerdings. Wir haben bereits nach Fertigstellung der ersten Versionen eine kleine Fan Convention mit Fans und Journalisten einberufen und die Reaktionen waren phänomenal. Das sich das jetzt im Medienbereich genauso wiederspiegelt ist natürlich großartig. Die Single ist bereits ausverkauft und das Album im Handel gut platziert. Eigentlich sind die Anzeichen gut, dass das Album seine Fans finden und „funktionieren“ wird.

WOD:
Wenn man das neue Album mit „Minddiver“ vergleicht, findet man einige große Unterschiede. Wie kommt es, dass sich Eure Alben so voneinander unterscheiden? Spielt da der persönliche Geschmack des einzelnen eine wichtige Rolle?

Zaphor:
Sehr abgefahren. In den vielen Interviews, die ich gerade führe, haben auch viele gesagt, dass es eine konsequente und logische Weiterentwicklung zu Minddiver ist. Ich sehe es eher wie Du, nämlich in erster Linie als sehr andersartig. Die Gründe für die Unterschiede innerhalb der Bandhistrorie sind recht vielfältig. Ich nenne mal einen dafür: Dadurch, dass GUG nie zu den Top 20 Sellern in der Indieszene gehörten und wir niemals unter kommerziellen oder finanziellen Druck standen, mussten wir niemals Zugeständnisse an Fans, oder an unsere eigene Herangehensweise machen. Wir haben uns einfach jenseits jeglicher Kommerz-Gedanken so entwickelt, wie wir es für uns richtig empfunden haben. Mit all den Nachteilen, die damit verbunden sind. Auf der anderen Seite hat uns diese „Freiheit“ auch Phasen beschert, in denen wir sehr gut unsere Grenzen kennengelernt hatten und dadurch auch wieder unsere eigentlich Stärken, auf die wir uns seit 3 Alben konzentrieren. Zyklus passt im Vergleich sehr gut zu „Equilibrium“ , unserem vorletzten Album. Mein Wunsch nach der Equilibrium war es, ein Album zu schaffen, welches diese Intensität und Schwermut besitzt, das Ganze aber auf produktionstechnisch höherem Niveau, sozusagen „Equilibrium“ in Breitwandsound. Und ich finde, so in etwas klingt die Zyklus auch. Sie ist allerdings noch abwechslungsreicher und deutlich vielschichtiger. Alleine wenn man die Gitarren und die Gesänge vergleicht, hört man extreme Unterschiede. Ansonsten spielen die Geschmäcker der Einzelnen teilweise auch mit eine Rolle, aber ich denke mal, dass wir alle ungefähr wissen, was für eine Platte wir machen wollen und da an einem Strang ziehen.

WOD:
Projekt Pitchfork waren ja früher schon mal in Eurem Vorprogramm zu sehen, und jetzt hattet ihr Peter Spilles als Gastmusiker an Bord. Werden Project Pitchfork auch in Zukunft noch mal live mit Euch auftreten? Und wie gestaltet Ihr „Ohne Dich“ live? Wird er bei manchen Auftritten auch dabeisein?

Zaphor:
Ob Peter live bei „Ohne Dich“ dabei sein wird ist ne gute Frage. Ich denke mal, wenn es sich ergibt, wird er damit kein Problem haben, aber wir werden jetzt wegen diesem einen Song nicht gemeinsam mit Peter touren. Das wäre wohl etwas vermessen. Die Ursprungsversion habe ich ohnehin alleine gesungen (die Beteiligten der Fanconvention und einige Medienleute kannten bis vor paar Monaten nur diese Version!) und sie funktioniert auch so sehr gut. Aber klar: Das teil gemeinsam mit Peter zu performen wäre schon ein Riesenspaß. Aber geplant ist da nix.

WOD:
Im Booklet füllt die Liste der Grüße beinahe eine ganze Seite! Und man liest viele bekannte Band - und Projektnamen. Hatten sie alle Einfluß auf Zyklus?

Zaphor:
Oh no... das sind einfach alles Bands, mit denen wir auf diversen Ebenen mehr oder weniger zu tun hatten, mit denen wir gut bekannt sind oder uns teilweise auch eine Freundschaft verbindet. Beeinflusst hat uns keine der genannten Bands.

WOD:
Das CD Cover von Zyklus erinnert mich stark an ein Mandala...(sorry *g*) steckt etwas besonderes dahinter? Und wie sieht es mit dem Titel aus? Wem ist „Zyklus“ als Albumtitel eingefallen?

Zaphor:
Nein, es handelt sich um ein „Tribal“, nicht um ein Mandala. Dieses Tribal symbolisiert die Sonne mit seiner Wärme, seiner Energie, dem Licht, aber auch dem zerstörerischen Element. Es fügt sich also sehr gut in die Thematik der Liebe ein, um die es hauptsächlich geht; die Liebe in all ihren Facetten. Liebe muss nicht immer was mit Romantik oder Schönheit zu tun haben. Ich habe die Liebe auch als etwas sehr verwirrendes, zerstörerisches, kraftvolles kennen gelernt. Man kann also text mäßig sehr gut viele Facetten ausloten und unterschiedlich an diese Thematik rangehen.

WOD:
Warum sind Eure Texte auf Zyklus teilweise in deutsch, und teilweise auf englisch?

Zaphor:
Warum nicht? GUG machen das seit jeher. Selbst unser allererster Song aus dem Jahre 1986, „Humus“ ist ein deutscher Song, und viele anderen deutschen Bands machen es genauso. Für mich persönlich kann ich sagen, dass mir manchmal eher die englischen, manchmal aber auch eher die deutschen Texte liegen. Ich gehe da relativ frei ran. Und könnte ein bis zwei weitere Sprachen, würde ich mich ihrer vielleicht auch bedienen.

WOD:
Hauptsächlich geht es darin um die Liebe; Ist sie momentan ein sehr wichtiges Thema für Euch? Und wer ist für die Lyriks verantwortlich?

Zaphor:
Also, da ich für die Texte verantwortlich bin, kann ich nur für mich sprechen. Natürlich ist das ein Thema, welches jeden Menschen betrifft und mit dem jeder Erfahrungen sammeln durfte. Ich selber war in den letzten 2 Jahren in einer Phase, in der ich mich sehr damit auseinandersetzen musste, viel nachgedacht habe, aber auch viel in mich reingefühlt habe. Ich habe Vieles hinterfragt und mich rund um das Thema Liebe mit diversen Randthemen wie Tantra etc. beschäftigt. Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen brodelte dieses Thema in mir und die Texte sprudelten aus mir raus. Ich hatte nicht das Konzept, ein Lovesong-Album zu machen, aber irgendwie kam ich immer wieder auf dieses Thema und habe so sehr viele persönliche Dinge auf- und verarbeitet.

WOD:
Wenn man schon so lange im Musikgeschäft tätig ist, ist es doch bestimmt interessant zu sehen, wie sich die Szene entwickelt hat. Was hat sich Eurer Meinung nach zum guten, und was zum schlechten verändert? Was sagt Ihr dazu, dass sich Gothic plötzlich zur „Salongfähigen“ Chartmusik entwickelt hat?

Zaphor:
Die Szene hat sich immens entwickelt. Sehr zum Positiven, aber teilweise auch mit negativem Beigeschmack. Ich persönlich kann zum Beispiel mit dieser sehr stark club- und party-ausgerichteten Attitüde nicht so viel anfangen. Musikalisch entdecke ich seit etlichen Jahren eine gewisse Stagnation und ein gegenseitiges Kopieren. So Originale wie Pitchfork, Das Ich, deine Lakaien und meinetwegen auch noch Wumpscut gibt es eigentlich kaum noch. Alles dreht sich um den Clubsound, und die Acts und Projekte sind irgendwie austauschbar geworden. Früher gab es innerhalb dieser Szene fast nur Bands, die einen eigenen Charakter und Selbständigkeit hatten. Das fehlt mir. Allerdings ist dafür der Austausch innerhalb der Szene und die Kommunikation eine ganz andere, alleine durch das Internet und den damit verbundenen Zugriff auf Informationen aus aller Welt. Früher war man als „Szenemensch“ viel mehr gefordert, Dinge für sich selbst zu entdecken, denn es gab nicht ein Einziges Magazin für solche Art von Musik. Heute biste ja nur noch am „selektieren“ und je cooler und imagebewusster eine Band daherkommt, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich am Markt durchsetzt. Nun denne... Dinge entwickeln sich halt. Ich bin natürlich dankbar dafür, dass ich seit 1980 alles von Anfang an miterleben durfte, auf der anderen Seite wäre ich manchmal gerne noch etliche Jahre jünger, um wirklich noch Lust auf das aktuelle Szenegeschehen zu haben.

WOD:
Ihr werdet in diesem Jahr beim WGT auftreten! Seit Ihr dort früher schon live zu sehen und zu hören gewesen?

Zaphor:
Ja. Ich glaube, wir haben vor 4 Jahren mal auf dem WGT gespielt. Da freuen wir uns schon sehr drauf, weil es für einige Fans aus dem Ausland die einzige Möglichkeit sein wird, Girls mal wieder live zu erleben.

WOD:
Wird es in Deutschland, bzw. in Europa auch irgendwann ein Album wie „Nightmares“ geben? Also eine Art Best- of Album mit bisher unveröffentlichten Stücken?

Zaphor:
Oh Gott!!! „Nightmares“.. da kriege ich gerade wieder verdammt schlechte Laune. Ein doofes Thema. Unveröffentlichte Stück aus den Anfangstagen der Band (teilweise sogar aus der Pre-Humus- Phase!) haben wir auf dem Doppelalbum „Exitus“ 1995 veröffentlicht. Für nächstes Jahr, wo wir unser 20 Jähriges Jubiläum feiern, wird es ggfs. eine Art Box geben, auf der wir alte Songs neu interpretieren, neue Songs zum Besten geben, Remixe von anderen Bands draufpacken. Ich kann aber nicht behaupten, dass wir irgendwo noch Material „rumliegen“ hätten, welches darauf wartet, veröffentlicht zu werden. Wir werden also für diesen Anlass was Neues schaffen. Unsere Idee war es allerdings auch mal eine reine Gothik- Compilation zusammenzustellen, denn wir haben teilweise schon ultra- darkes Zeug produziert, was in einem neuen und passenden Gesamtkontext sicherlich die eine oder andere Wissenslücke füllen dürfte.

WOD:
Eine recht altmodische Frage, möchte ich nun doch noch beantwortet haben, obwohl man das bei so einer langen Bandgeschichte eigentlich nicht mehr fragt... Warum nennt Ihr Euch Girls Under Glass? Ihr habt bzw. hattet doch nie Mädels, ausser im background dabei, oder?

Zaphor:
Schöne Frage...:-)... It´s just a name! So wie Sisters Of Mercy auch, die sicherlich auch keine Schwestern waren. Vorher hießen wir halt Calling Dead Red Roses und alleine der Name impliziert schon einen gewissen Musikstil, der sich dann auch tatsächlich in der erwarteten Form bewahrheitet. Wir wollten als Folgeband einen etwas neutraleren Namen haben, um die Möglichkeit zu haben, nicht aufgrund des Namens als Gruftiband identifiziert zu werden. Wenn ich mir so unsere Entwicklungsgeschichte anschaue, dann war das auch eine verdammt gute Idee!

WOD:
Zu guter letzt möchte ich noch von Euch wissen, warum es sich unbedingt lohnen wird, zu einem Eurer Live Auftritte zu kommen! Was erwartet uns?

Zaphor:
Viel Nebel, Strobo, viel neue Songs, viel alte Songs, die wir bislang nur selten oder noch gar nicht gespielt haben, viel intensive SloMo-Electrogoth-Musik, aber auch ein paar Songs zum Mitwackeln. Lohnen tut es sich alleine schon deshalb, weil wir super selten live spielen und diesmal in Orten, wo wir bislang ultra rar waren. Desweiteren glaube ich, dass wir eine verdammt gute Liveband sind, gut Emotionen und Power transportieren können und nach den Konzerten sind wir meistens für Euch da, heißt: Greifbar. Wem das nicht reicht, der geht halt woanders hin.

© Antje, Wave of Darkness, 02.2005

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