GIRLS UNDER GLASS

 

Interview mit Axel

Mit "Equilibrum" legt eine der dienstältesten deutschen Gothic/ Wavebands ihr elftes Album vor. Sound.de sprach Axel Ermes (Gitarre, Electronics).

Sound.de: Euer neues Album hat mich überrascht: Während der Vorgänger "Firewalker" eher in Richtung Industrial tendierte, seid ihr nun zu den melancholisch- poppigen Klängen der alten Alben zurückgekehrt. Warum?
Axel: "Firewalker" paßt zu den damaligen Umständen. Wir hatten gerade jede Menge Scheiße mitgemacht, vor allem mit unserer Plattenfirma, und so wurde der Sound auf dem Album natürlich aggressiver. Außerdem wollten wir mal auf einem Album festhalten, was uns die Leute ohnehin immer nachsagen: Nämlich, daß wir auf der Bühne weitaus aggressiver und rockiger klingen.

Sound.de: Warum nun der neuerliche Schwenk?
Axel: Wir haben uns von Album zu Album immer gewandelt, und damit öfter Fans vor den Kopf gestoßen. Das ist für uns normal. Außerdem war auch auf Firewalker mit "Changes" eine Ballade drauf, genauso, wie wir auf diesem Album mit "Assault The Future" ein härteres Stück eingespielt haben.

Sound.de: Wie lange habt ihr für das neue Album gebraucht?
Axel: Mit den Proben ungefähr 8-10 Wochen. Wir haben in unserem eigenen kleinen Studio aufgenommen, da waren wir nicht so unter Zeitdruck, das ist natürlich angenehm. Diesmal hatten wir sogar einen echten Schlagzeuger und haben live aufgenommen.

Sound.de: Mit welchen Geräten arbeitet ihr da?
Axel: Wir haben erst kürzlich ein ADAT gekauft, ansonsten arbeiten wir mit Harddisc- Recording auf einem MacIntosh G3 mit 300 Mhz und Cubase. Da können wir bis zu 32 Spuren aufnehmen.

Sound.de: Da seid ihr ja ziemlich gut ausgerüstet. Surfst Du auch im Internet? Habt ihr eine eigene Homepage?
Axel: Ich habe für meinen eigenen Musikverlag eine kleine Homepage gebastelt, da kommt demnächst auch eine GUG- Abzweigung hin. Ansonsten gibt es wohl einige Fan-Homepages. Manche Leute behaupten, ich bin ein ziemlich extremer Surfer.

Sound.de: Ein Tag im Studio ist wohl normalerweise ziemlich teuer. Wie wird das finanziert?
Axel: Entweder wir lassen uns einen kleinen Vorschuß von der Plattenfirma geben, oder die Plattenfirma muß für alle Produktionskosten aufkommen und schließt den Vertrag gleich mit dem externen Studio.

Sound.de: Durch die Computer ist der Bau eines eigenen Studios längst nicht mehr so kostspielig wie zu Zeiten reiner Analogaufnahmen. Fast doch noch eine Verwirklichung der alten Punkmaxime, daß jeder ein Künstler sein kann...
Axel: Ja, und das finde ich auch gut so, zumal man mit den heutigen Layoutprogrammen auch relativ leicht für Booklets, Plakate und Homepages sorgen kann.

Sound.de: Es scheint allerdings, daß dadurch auch die Qualität der Veröffentlichungen insgesamt gefallen ist...
Axel: Ich weiß nicht. Klar ist allerdings, daß die Zahl der Bands drastisch gestiegen ist. Wo früher vielleicht 500 aktive Bands sich den Markt einer Musiksparte teilten, sind es heute vielleicht 3000. Manche der Neulinge sind auch tatsächlich wenig innovativ. Jedenfalls wird es schwieriger, größere Stückzahlen zu verkaufen, obwohl der Umsatz an Tonträgern insgesamt wohl gleich geblieben ist. Das mag allerdings auch an den künstlich hoch gehaltenen Preise für CDs liegen: Sie stehen in keinem Verhältnis zu dem Produktionskosten oder zu dem Anteil, den letztendlich die Musiker erhalten.

Sound.de: Geht ihr auf Tour?
Axel: Mal sehen, wie das Album einschlägt. Bei der letzten Tour sind wir gerade so auf Null rausgekommen, und die Zuschauerzahlen sinken insgesamt. Wir wollen nicht draufzahlen.

Sound.de: Kannst Du von der Musik leben?
Axel: Ja, zusammen mit meinem Verlag geht es so. Nicht üppig, aber ausreichend. Allerdings bin ich da der einzige in der Band: Volker (Zacharias; v, g, b- Anm. d. Red.) arbeitet bei einer Promofirma, und Hauke (Harms; Synthies, Electronics, Programming) ist Systemadministrator bei einem großen Versandhaus.

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