SM: Girls under Glass gibt es jetzt wie lange? 15 Jahre?
GuG: ...seit 19 ..aus den Überresten von einer anderen Band. Die haben
Anfang der 80er angefangen, eine deutsche Popband, und als der Sänger
ausgestiegen ist, haben die beiden übrig gebliebenen, Girls under Glass
gegründet. Dann wurde ich gefragt, ob ich als Gitarrist einsteigen möchte,
das war 1986 und so wurde Girls under Glass gegründet. Wir haben 10 Alben
gemacht, mit sehr viel musikalischer Entwicklung von Album zu Album. Wir
haben eine große Entwicklung durchgemacht, also ich meine jede Band hat sich weiterentwickelt, aber Girls under Glass haben eine abstruse Entwicklung durchgemacht. Es macht aber Spaß weil man nie weiß, wie kommt das jetzt an, sagen die, wir sind völlig verrückt oder sagen die dann hurra, man weiß es nicht. Es ist ein ziemlich spannendes Unterfangen weil man nicht weiß, was kommt dabei raus. Am Anfang wissen wir nicht wie das Endergebnis klingen wird.
SM: Also quasi ein Testalbum?
GuG: Die Frage ist auch, wenn wir keine Entwicklung durchgemacht hätten, ob
wir als Band schon tot wären. Es gibt ja immer wieder Vor- und Nachteile in
dem Geschäft. Es gibt viele Bands die ein Album nach den anderen machen, das immer wieder gleich klingt und damit auch sehr viel Erfolg haben. Das kann ja auch funktionieren aber ich glaube a) sind wir früher auf die Idee
gekommen einfach nicht das gleiche noch mal zu machen und b) hätten wir das
gemacht hätten wir am Anfang vielleicht mehr Erfolg gehabt aber ich weiß
nicht ob das dann so mit uns funktioniert hätte.
SM: Dann macht ihr ja auch viel mit Gastmusikern wie Peter Spilles und Peter Heppner, wer ist der nächste Peter der mitsingt?
GuG: (lachen) Peter Maffay! Gothictabaluga. Das wird dann kein grüner Drache sondern ein schwarzer Drache, Black Dragon.
SM: Bei euren Songs liegt ihr zwischen Dichtung und Balladen, kommt das
alles spontan oder sagt ihr wir brauchen auch mal was dazwischen?
GuG: Ja, da müssen wir ganz ehrlich sein die Platte war ursprünglich ein
bisschen härter als sie jetzt am Ende tatsächlich ist.
SM: Stimmt, da sind teilweiße schon softe Sachen dabei finde ich...
GuG: Eben, da haben wir teilweise auf unseren Produzenten gehört und dann
als wir soweit waren uns an das externe Label gewendet, die dann auch gesagt haben 'Jungs denkt dran, 12 gute Songs machen noch kein gutes Album ihr haut den Leuten da ein hartes Teil nach dem anderen um die Ohren, die müssen auch mal atmen, die müssen auch mal relaxen'. Und dann sind wir noch mal ins Studio gegangen und haben einen Song der vorher auch etwas härter war runterreduziert auf eine Ballade und einen Song haben wir komplett neu
geschrieben und siehe da, sie haben beide recht gehabt. Es ist ganz gut wenn man zwischendurch auch mal Impuls von außen bekommt, man hat zwar gute Songs aber man merkt es selber gar nicht mehr, wenn man nur die Musik im Ohr hat. Das hat aber dann nix mehr mit Spontanität zu tun sondern es ist dann hart erarbeitet.
SM: Ob ihr die Texte auf deutsch oder auf englisch macht, macht ihr das davon abhängig ob manches in Deutsch besser rüberkommt?
GuG: Genau das trifft es. Normal sind die Fragen immer anders, so dass ich
es noch erklären muss aber du hast die Erklärung schon mitgeliefert. Ich
singe und texte die Songs eigentlich lieber im Englischen weil die englische Sprache lyrischer ist und die deutsche eher sehr hart. Aber es gibt eben Songs, da habe ich schon einen englischen Text dazu gesungen, da haben wir einfach gemerkt das kam nicht rüber, da fehlt irgendwas. Da haben wir gesagt, na gut versuchen wir es mit einem deutschen Text und auf einmal war der Song klasse. Es geht aber auch umgedreht, das du zuerst den Text auf deutsch hattest und dir dann sagst, es ist besser auf englisch. Es ist halt auch wichtig das man mit der Band oder mit den Produzenten zusammen arbeitet um das Optimale heraus zuhören.
SM: Wie produziert ihr? Ist es nur einer der die Songs schreibt?
GuG: Es ist nicht nur einer der die Songs schreibt und die anderen schlucken das, sondern wir haben meistens alle Ideen die wir mit einbringen und dann schauen wir halt was passt wo dazu. Das ist halt wichtig das jeder mal seine Ideen mit einbringt um zu kucken. An dem Song lohnt es sich mal zwei drei Monate lang zu arbeiten, um zu schauen wo man damit landet oder man kommt nicht weiter, da bildet sich nichts raus. Hauke ist eher so der setzt sich zu Hause mit seinen Instrumenten hin und probiert halt mal aus, ja und ich bin eher der Minimalist, mir kommen Ideen manchmal im Traum oder ich gehe so durch die Gegend und summe was vor mich hin, was wo ich denke was summst du denn da und das nehme ich dann mit meinem Diktiergerät auf. Da kann Hauke auch ein Lied von singen.
H: (lacht) Ja, da bekommst du früh um 4 einen Anruf aufs Handy und hörst nur so summm summm brummm und denkst was ist das denn und dann legt er wieder auf. Das ist irgendwie dann so ein Geeier.
Ja, so kommen mir manchmal Ideen im schlaf, da haben wir einige von.
SM: Das ist doch gut, wenn man nach 19 Jahren noch so kreativ ist das ist
doch fantastisch, wenn ich mir da andere Bands anschaue...
GuG: Aber man kann es nicht beeinflussen. Ich fürchte mich vor dem Moment,
wenn diese Eingebungen einfach wegbleiben. Dass ich mich hinsetzen muss und
mich zwingen muss, um Songs zu schreiben. Das stelle ich mir öde vor.
SM: Oder du machst dieselben Songs mit nem anderen Text bei Dieter Bohlen
geht das auch.
GuG: Ja danke, aber denn Anspruch haben wir nicht.
SM: Aber da seid ihr stolz drauf dieses Urgestein zu sein.
GuG: Ja, wenn wir auf etwas stolz sein können.. Denn auf die Plattenverkäufe können wir ja nicht stolz sein.
SM: Das habe ich nicht gesagt...
GuG: Nee, das sag ich ja auch. Auf die Plattenverkäufe können wir nicht
stolz sein. Wir sind nach wie vor eine Insider-Band wenn du so willst. Die
anderen sagen Legende oder Kult keine Ahnung, aber das heißt ja nur du bist
jenseits von dem was eigentlich angesagt ist in dieser Szene. Wir sind halt
irgendwie nicht auf der Überholspur sondern eher auf der tandspur. Aber
unsere Daseinsberechtigung taucht halt dann immer auf, wenn wir ein gutes
Album machen und das macht uns einfach Spaß, zu sagen 'hallo, wir schon
wieder'. Das ist halt so, dass man sagen kann, wir fahren so nen alten
Volkswagen, der fährt auch immer weiter und ständig kommt so ne
japanische Schüssel an uns vorbei, die liegen dann aber ein paar Kilometer
weiter im Graben.
SM: Kann man davon leben?
GuG: Nein, es gibt aber auch ganz wenige in der Szene, die davon leben
können. Ich find es aber auch schade, dass die Arbeit eines Musikers sehr
gering eingeschätzt wird. Ich will ja auch nicht sagen, dass man damit
Millionen verdienen soll, aber für die Zeit und die Arbeit, die man ins
Studio steckt, wäre es schön, wenn es sich rechnen würde. Weil es geht ja
auch niemand morgens zum Bäcker und holt sich mal drei Brötchen, ohne zu
bezahlen.
SM: Spielt ihr lieber auf Festivals oder lieber eure eigene Tour?
GuG: Ich persönlich lieber auf Festivals weil es mir mehr Spaß macht vor
vielen Leuten zu spielen als vor wenigen Leuten. Es ist halt auch wichtig,
dass wir die Leute auch erreichen die nicht wegen Girls under Glass kommen,
die dann aber sagen 'Hey was war das denn'. Also Überzeugungsarbeit leisten
das kannst du auf eigenen Konzerten nur teilweiße, weil keiner hat das Geld
oder mal eben Langeweile um auf ein Konzert zu gehen wo er die Band nicht
kennt, um zu kucken 'Ach, heute ist nichts los in München', sondern sie
gehen halt bewusst dahin.
SM: Was macht ihr demnächst?
GuG: Na ja, wir haben nächstes Jahr unser 20-jähriges Jubiläum und da wollen wir dann auch mit Gästen ein bisschen was machen, auf Tour gehen, ja und so.
SM: Vielen Dank für dieses nette und witzige Interview, wir wünschen euch für die Zukunft viel Erfolg.
© Xspikex, Seelendiebstahl, 23.02.2005
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