GIRLS UNDER GLASS

 

Electrauma Interview
mit Volker

Hallo! Schön, dass ihr wieder zurück seid! Wie geht’s euch nachdem eure aktuelle Maxi „Ohne dich“ (feat. Peter Spilles) nun eine Weile auf dem Markt ist und sich seit einiger Zeit schon in den DAC befindet?

Zaphor: Oh, danke der Nachfrage. Uns geht’s gut soweit. Läuft alles nach Plan. Wir sind zufrieden. Die Reaktionen aufs Album sind bislang phänomenal.

Ist man nach ein paar Jahren der Abstinenz immer noch ein wenig nervös, wenn man eine neue Veröffentlichung rausbringt oder sieht man das als „alte Hasen“ in der Szene ein bisschen entspannter?

Zaphor: Das sehen wir recht entspannt. Uns ist es wichtig ein gutes Album und eine gute Plattenfirma im Rücken zu haben, die das entsprechend umsetzt. In den heutigen Zeiten an großartige Verkäufe zu denken, oder womöglich an einen „Durchbruch“ der Band nach gut 18 Jahren, wäre etwas realitätsfremd. Wir werden sehen, was passiert und sehen dem Ganzen gelassen entgegen.

Auf der Maxi ist kein Geringerer als Project Pitchfork Frontmann Peter Spilles im Duett mit Volker zu hören. „Ohne dich“ hat absolutes Hitpotential und zeigt Girls Under Glass von seiner härteren Seite. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Peter?

Zaphor: Als wir uns zu einem sehr späten Zeitpunkt für die Single entschieden hatten und die Idee einer Gesangskollaboration aufkam, war mein erster Gedanke Peter Spilles, ganz einfach, weil mir klar war, dass sein Gesang supergut zum Song passen würde. Mein Eindruck hat mich glücklicherweise nicht getäuscht. Das Ergebnis entspricht dem, was ich mir vorgestellt habe. Das ging flott und unkompliziert und Peter hatte zum Glück große Lust auf dieses Duett.

„Ohne dich“ bietet neben dem Titeltrack einen sehr elektronischen Remix zu diesem, den extrem starken Track „Trust me“ und eine balladeske, alternative Version zum Albumsong „Under my skin“. Warum habt ihr gerade „Ohne dich“ als Auskopplung gewählt?

Zaphor: Die Auswahl war wirklich verdammt schwer. Ich denke, dass es gut 5-6 Nummern auf dem Album gibt, die man locker als Single auskoppeln könnte. „Ohne Dich“ fand ich dabei sowohl catchy, also eingängig, als auch modern-tanzbar, und es zeigt auch ein bischen die Marschroute des neuen Albums an, obwohl sich die Songs schon alle recht deutlich voneinander unterscheiden. Wie Du schon bemerkt hast, ist es uns echt schwer gefallen, aus dem vorliegenden Material ne klassische B-Seiten-Nummer auszuwählen. So haben wir jetzt eine sehr abwechslungsreiche Vorabsingle mit exklusiven Songs, die einen guten Eindruck vermittelt, wo GUG 2005 stehen. Und das finde ich wichtiger, als einem Käufer 5 verschiedene Remixe anzubieten und das Ganze als „added value“ zu verkaufen.

Das Album ist meines Wissens nach schon eine Weile fertig und ihr habt euch danach auf Labelsuche begeben. Das letzte GUG Album „Minddiver“ erschien auf eurem eigenen Label Aragon Records und ihr hattet somit eigentlich die Grundlage die CD selbst zu veröffentlichen. Was sprach dagegen?

Zaphor: Dagegen sprach, dass wir einfach nicht die Zeit hätten, uns als Label optimal um das Album zu kümmern. Des weiteren war uns wichtig, das Album international gut zu platzieren und zu bewerben, und da hat Dependent eindeutig mehr Erfahrung und bessere Kontakte als wir mit Aragon.

Die Entscheidung fiel ja letztlich auf das renommierte Label Dependent, die nun in diesem Zuge das gitarrenorientierte Sublabel Cellar Door ins Leben gerufen haben. Wie kann man sich so eine Suche nach einem geeigneten „Zuhause“ vorstellen und welche Kriterien waren bzw. sind euch am wichtigsten?

Zaphor: Wir haben die ganze Zeit im Hinterkopf gehabt, das Album selber rauszubringen. Das Timing für Promotion und Vertrieb stand eigentlich schon. Wir hatten mit einer Zusage seitens Dependent gar nicht gerechnet, da Girls Under Glass musikalisch schon sehr anders ist als das, wofür Dependent steht. Ich persönlich stehe auf dieses Label insbesondere deshalb, weil es für seine Acts wirklich hart arbeitet und sie Bands wie VNV Nation, Covenant und Suicide Commando sehr erfolgreich und geschickt vermarktet haben. Das Label steht total hinter dem, was sie rausbringen. Umso größer ist für uns als Band natürlich die Ehre, wenn Stefan Herwig für diesen Release ein eigenes Sublabel ins Leben ruft. Um es kurz zu machen: Bislang läuft alles super optimal und wir glauben, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Auf eurer Webseite www.girlsunderglass.de habt ihr den Fans als Weihnachtsgeschenk zwei Snippets und einen Song in voller Länge beschert. Habt ihr auch in Zukunft vor euren Hörern von Zeit zu Zeit etwas exklusives zum kostenlosen Download anzubieten?

Zaphor: Viel Exklusives haben wir eigentlich nicht zu bieten. Und letztlich ist auch alles eine Frage des Geldes. Denn selbst, wenn der „Downloader“ nichts für den Song bezahlen muss, müssen wir als Rechteinhaber geld an die Gema bezahlen. Das heißt, wir zahlen für jeden Download Geld. Und das ist unserer Meinung nach kein sinnvolles Konstrukt. Deshalb kann man diese Aktion der Free-Downloads als „Weihnachtsgeschenk“ durchaus wörtlich nehmen!

Apropos Downloads, wie steht ihr dem Medium Internet gegenüber? Seht ihr darin eine gute Promotion- und Arbeitsplattform für Bands oder steht ihr dem ganzen eher skeptisch gegenüber?

Zaphor: Ich stehe dem Medium Internet durchaus positiv gegenüber. Es hat wahnsinnig viele Vorteile, weil Grenzen verschwinden und Du mit relativ geringen Mitteln etwas International populär machen kannst. Man kann das Internet tatsächlich sehr gut als „zusätzliche“ Werbeplattform betrachten. Überbewerten darf man das Ganze aber auch nicht. Was die Downloadthematik anbelangt, gerade die Peer2Peer-Netzwerke, sehe ich da schon Probleme für uns Künstler und für die Plattenfirmen. Zumindest wenn es in Dimensionen geht, wo den Künstlern die Lebensgrundlage weggenommen wird, ist das Ganze nicht mehr witzig. Ich denke, der Schritt, Tonträger günstiger zu machen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Neben dem Internet gibt es natürlich noch viele weitere Faktoren, die für die Verkaufseinbrüche verantwortlich sind, aber das ist ja genügend diskutiert worden. Als Stichwort erwähne ich nur CD-Brenner, extrem schwacher und eingeschränkter Content auf den kostenpflichtigen Downloadsites, der kulturelle Wert der Musik an sich, die Veränderung der Wertewelt der jüngeren Generation etc. Da kommt Vieles zusammen.

Laut einem Artikel auf Spiegel-Online ist Ronan Keating mit 214 verkauften Alben bereits gechartet und Eric Prydz’s „Call on me“ war mit 19000 verkauften Maxis an der Spitze der Single-Charts vertreten. Wenn man sich solche Zahlen anschaut muss man sich fragen was die Media-Control-Charts überhaupt noch für eine Bedeutung haben? Wie seht ihr das? Was sollte man eurer Meinung nach anders/besser machen, damit die Musikindustrie wieder auf Vordermann kommt?

Zaphor: Soweit mir bekannt ist, war der Spiegel Artikel extrem schlecht recherchiert und „spiegelt“ nicht die Tatsachen des Marktes wieder. Es gab diesen Fall wohl tatsächlich, aber über die Begleitumstände und die dafür verantwortlichen Fakten ist nichts geschrieben worden und diese sagen eindeutig aus, das die Marktentwicklung nicht so krass ist, wie sie vom Spiegel dargestellt wurde. Das mal dazu! Wenn ich/wir ein Patentrezept hätten, wie man die Musikindustrie wieder auf Vordermann bringen könnte, wären wir wahrscheinlich die bestbezahltesten Leute in der hiesigen Musikindustrie. Wenn schon Visionäre wie Tim Renner (ex Universal Chef) ihren Hut nehmen, weiß man wie es um die Musikbranche bestellt ist.

Der Name des mittlerweile zehnten Studioalbums lautet „Zyklus“, was aus dem Griechischen kommt und Kreis heisst. Was bedeutet für euch „Zyklus“ in Bezug auf die Band und das neue Album?

Zaphor: „Zyklus“ ist für uns der Abschluss des Angefangenen. Es ist auch gleichzeitig die Grundlage für alles, was folgen wird. Es ist weiterhin die Überwindung der Polaritäten zu einem „Gesamten“. Und etwas profaner ausgedrückt, ist Zyklus für uns das bisher stärkste und ausgereifteste Girls Under Glass Album.

Die Texte auf „Zyklus“ sind wie gewohnt sehr tiefgründig und lassen viel Spielraum für Interpretationen. Man findet sich in einigen Songs plötzlich selber wieder und bekommt seine Vergangenheit oder Gemütszustand mit einer musikalischen Untermalung nochmals erzählt und näher gebracht. Entscheidungen, seelischer Schmerz, Einsamkeit, unerfüllte Liebe, Niedergang einer Beziehung...Sind all deine Texte autobiographisch? Schreiben zur Vergangenheits- und Gegenwartsbewältigung und Reinigung der eigenen Seele?

Zaphor: Ja, die Texte sind autobiographisch. Zumindest trifft dies für die Texte auf dem neuen Album zu. Bei älteren Werken habe ich mich auch durchaus von „Geschichten“ inspirieren lassen, und habe fremde Perspektiven angenommen und aus ihrer Sicht Situationen und Gefühle beschrieben. Die Texte auf Zyklus sind hingegen komplett authentisch, wobei ich ja nun trotzdem nicht aus dem Nähkästchen plaudere, sondern dem Zuhörer durchaus Raum für seine eigenen Gedanken und Interpretationen lasse. Das ist mir auch wichtig. Ich will ja keinen „Seelenstriptease“ betreiben oder unsere Zuhörern mit meinem Privatscheiß zudröhnen. Aber was raus kann, kann raus, vorausgesetzt, man kann es intelligent und klischeefrei verpacken.

Beim Hören des neuen Longplayers bemerkt man sehr schnell aufgrund des enormen Potentials, dass sich Songs wie „Feuerengel“, „Ohne dich“, „Truly Living“ oder „Love is in my World“ mit Sicherheit zügig in die Liste der älteren GUG-Hits wie z.B. „Reach for the stars“, „Down in the Park“, „Frozen“, „New World Order“ oder „When i think about you“ einreihen werden! Gibt es Songs, die euch besonders am Herzen liegen oder euch am besten gefallen auf der neuen CD?

Zaphor: Vielen Dank für die Lorbeeren. In der Tat ist es so, dass uns alle Songs des Albums gut gefallen. Jeder Song hat an seinem Platz auf dem Album seinen Sinn, selbst die etwas ruhigeren Songs oder das experimentelle „Wonderworld“. Unser Ziel ist es, den Hörer in die Atmosphäre des Albums einzusaugen und das kann man schlecht, wenn Du über 12 Songs nur auf die Kacke haust. Da muss man auch mal das Tempo rausnehmen, Luft zum Atmen und Nachdenken geben, den Körper und Geist entspannen lassen, dann funktioniert der nachfolgende Song gleich umso besser. Es geht hier also nicht um das Rauspicken einzelner Tracks, sondern um „Zyklus“ als Gesamtwerk.

Düstere, rockige, balladeske Tracks gebettet im Wechselspiel von Gitarre und Elektronik mit sehr ausdrucksstarkem und kraftvollem Gesang, so könnte man das sehr abwechslungsreiche Album beschreiben. Was beim neuen Longplayer auch besonders auffällt, ist die sehr gute Produktion und die erhöhte Dynamik der Songs an sich im Vergleich zu den älteren Veröffentlichungen, wodurch die Tracks noch mehr Eigenleben als sonst bekommen. GUG steht mit „Zyklus“ im Zenit! Wie seid ihr an die Arbeiten an „Zyklus“ herangegangen? Hattet ihr beim zehnten Album eine andere Arbeitsweise als sonst?

Zaphor: In gewisser Weise war die Arbeitsweise tatsächlich anders. Wir waren uns über das Potential der Songs relativ früh im klaren, wussten aber auch, dass unsere eigenen Möglichkeiten beschränkt sind und wir mit einem passenden Produzenten wahrscheinlich ein richtiges Hammeralbum abliefern können. Zum Glück hat unser Producer JP Genkel dieses Potential ebenfalls früh erkannt und war bereits bei der Vorproduktion, Auswahl der Tracks und Sounds beteiligt und kündigte mir schon vor den ersten offiziellen Studioterminen an, dass er mir als Sänger gewaltig in den Arsch treten wird. Er wollte es echt wissen und hat es auch entsprechend umgesetzt. Ich habe noch nie so lange und intensiv an den Vocalparts gearbeitet, wie bei der „Zyklus“. JP hat wirklich das Letzte rausgeholt. Das Ganze zog sich beim Mixen so fort. Den Anspruch, den er an uns als Band hatte, hatte er auch an sich selber. Er hat teilweise Wochen an einzelnen Songs gemixt und gearbeitet. Wir alle hatten den unbedingten Willen, ein Masterpiece abzuliefern und das hört man der CD bis zur letzten Sekunde an.

Dass die Köpfe von GUG für sehr gute Musik stehen hat auch das damalige Seitenprojekt Trauma mehr als bewiesen. Unter diesem Namen kamen damals 3 sehr geniale Alben auf den Markt, aber dann ward es leider still um Trauma. Wird dem Projekt noch mal Leben eingehaucht und dem Fan vielleicht in naher Zukunft eine neue Veröffentlichung beschert?

„Wonderworld“, der vorhin erwähnte etwas experimentellere Song, war ursprünglich als Trauma-Idee gedacht. Er macht in dem Gesamtkontext des Albums jedoch dermaßen Sinn, dass niemand diesen Song als „Ausrutscher“ oder „Nebenprodukt“ bezeichnen würde. Er gehört da einfach hin. Fertig. Es gibt einige grobe Ideen für ein weitere Trauma-Album. Ob wir das aber jemals fertig stellen, ist zur Zeit sehr fraglich, da wir uns absolut auf das aktuelle Girls-Album konzentrieren wollen und erstmal viel zeit und Energie brauchen, um die bevorstehenden Gigs optimal vorzubereiten. Ob es also ein weiteres Trauma-Album geben wird, ist zur Zeit unklar. Ich schließe es nicht aus, aber der Zeitplan gibt einen ganz klaren Fokus auf das aktuelle Girls Under Glass Album vor.

GUG hat in der Booking- und Promotionagentur Pluswelt einen sehr starken und kompetenten Partner gefunden. Für Februar stehen auch schon ein paar ausgewählte Termine für Liveauftritte fest. Werdet ihr eine Supportband mit auf die Tour nehmen? Was wird den Konzertgänger erwarten? Wie kann man sich einen Girls Under Glass Gig vorstellen?

Zaphor: Tja, das ist eine gute Frage. In 6 Wochen geht’s bereits los und zur Zeit steht noch keine Supportband fest. Es gibt ein paar Ideen, aber ob die umgesetzt werden können, ist noch nicht klar. Das werden wir dann wohl kurzfristig über die GUG Seite kommunizieren müssen. Die Leute, die GUG kennen, haben eine ungefähre Ahnung, was sie erwartet. Wir wollen diesmal allerdings einen etwas emotionaleren Set mit vielen alten Klassikern, die wir teilweise noch gar nicht gespielt haben, darbieten und natürlich auch das neue Album intensiv vorstellen. Man kann sich in seiner Fantasie viel vorstellen und ausmalen und seine eigenen Highlights und Spannungsbögen geistig kreieren. Ob und wie das dann in der Realität funktioniert, weiß man erst, wenn man Menschen die Möglichkeit gibt, zu reagieren. Das funktioniert also nur im „Miteinander“. Und wir werden alles versuchen, den neuen Zuhörern und unseren älteren Fans einen klasse Abend zu bescheren. Da wir selten auf Tour sind, werden wir nach den Gigs auch für Diskussionen und Fragen zur Verfügung stehen, uns am Merchandising-Stand blicken lassen und greifbar sein.

Was für weitere Pläne habt ihr für das Jahr 2005? Festivals, ausgedehnte Tour, eine weitere Auskopplung womöglich?

Zaphor: Wir werden einige Festivals spielen, wir haben viele Anfragen aus dem Ausland und werden wohl europaweit Gigs spielen. Eine ausgedehnte Tour wird es allerdings nicht geben. Wir wollen nur einige wenige ausgesuchte Gigs spielen. Über eine weitere Auskopplung beraten wir uns gerade. Wir werden die Entscheidung allerdings ein wenig nach hinten stellen und auch das Label mit einbeziehen.

Vielen Dank für das sehr interessante Interview und viel Erfolg mit dem genialen Album „Zyklus“! Die letzten Worte gehören euch...

Zaphor: Wir bedanken uns ebenfalls für das Interview und wünschen allen Lesern ein gutes Jahr. Wir bedanken uns bei unseren alten und neuen Fans für ihren Support und hoffen, dass wir uns bei den Konzerten sehen werden.

© Andi, Elektrauma.de, 04.01.2005

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